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Azure Window, Dingli Cliffs und andere Erinnerungen – Mein Auslandssemester auf Malta

Sonne, Meer und ganz viel Kultur – so habe ich Malta in Erinnerung. Ein Reiseziel, das vielleicht nicht jedem geläufig ist und häufig völlig unterschätzt wird.

Vielleicht habt ihr es in den Nachrichten mitbekommen, dass eine der bekanntesten Natursehenswürdigkeiten Maltas im Meer für immer versunken ist: das Azure Window auf der kleinen Nachbarinsel Gozo. Wirklich ein Jammer, dass nun zukünftige Urlauber dieses Schauspiel der Natur nicht mehr bestaunen können. Aber dieses Ereignis lässt mich wieder daran erinnern wie abwechslungsreich und schön meine 5 Monate auf dieser Insel waren und dass sie noch so viel mehr zu bieten hat.

Doch der Reihe nach. Ich hatte in meinem Bachelorstudium die einmalige Gelegenheit ein Semester im Ausland zu studieren. Nachdem die großen Traumziele Australien oder Kanada aufgrund der viel zu hohen Kosten für mich leider nicht zur Auswahl standen, habe ich mich über das Angebot der University of Malta informiert und bin schnell fündig geworden. Zudem haben andere Studenten von ihrem Auslandssemester dort berichtet. Das Strahlen in ihren Augen sprach Bände, wenn sie von der kleinen Insel, die gerade mal so groß ist wie Bremen, erzählt haben. Der Entschluss stand für mich fest: da muss ich hin!

Im September 2013 ging es los und schon die Ankunft war abenteuerlich. Natürlich habe ich die Sonne auf der kleine Mittelmeerinsel völlig unterschätzt und habe mir meine ganze Kopfhaut verbrannt. Die erste Erkundungstour an meinem neuen Wohnort St. Julian´s galt daher, einen geeigneten Sonnenhut zu finden. Zum Glück wurde ich schnell fündig, sodass ich mich endlich auf die neuen Eindrücke konzentrieren konnte. Und ich sage nur: Wow! Was auf so einer kleinen Insel alles los sein kann. Überall Autos, Busse, Restaurants, Läden, Supermärkte, Hotels und ganz viele Menschen. Dazu kommt noch der ungewohnte Linksverkehr, der ein Überbleibsel ist von der Zeit, als die Briten die Insel besetzt haben. Und nicht zu vergessen: die fremde Sprache. Die Malteser können weitestgehend alle Englisch sprechen, auch die Vorlesungen waren auf Englisch. Das ist auch der Grund, warum die Insel ein beliebtes Ziel für Sprachschüler aus der ganze Welt ist. Wo lässt es sich besser Englisch lernen, als auf einer kleinen Mittelmeerinsel und nur 5 Minuten bis zum Meer 😉 Aber Englisch ist eben nur die zweite Amtssprache. Sie sprechen Maltesisch und ich muss ehrlich gestehen, auch nach 5 Monaten habe ich leider kein Wort lernen können. Der Mix aus Italienisch, Arabisch, Französisch und wer weiß, was noch, war einfach zu viel auf einmal. Aber ich erkenne auch heute noch englischsprechende Malteser. Dieser Akzent wird für immer in meinem Gedächtnis fest verankert bleiben!

Blick vom Balkon von meiner Wohnung in St. Julian´s

Strand im Ausgehviertel Paceville, 5 Minuten Fußweg von meiner Wohnung entfernt

Aber wenn ihr jetzt glaubt, dass die Insel nur Großstadtflair zu bieten hat, dann liegt ihr zum Glück daneben. Wenn ihr euch eine Karte von Malta anschaut, könnt ihr erkennen, dass lediglich ein kleinerer Teil der Insel besiedelt ist. Der Rest der Insel besteht aus landwirtschaftlichen Flächen, kargen Felsformationen und kleinen Buchten. Wirklich nicht spektakulär, besonders in den heißen Monaten bis November. Im Frühjahr allerdings erblüht die Insel und ich frage mich bis heute, wo all die Gräser und Blumen aus dem trockenen Boden hergekommen sind. Besonders angenehm sind die vielen Thymiangewächse. Bei jeder Wanderung lag der Duft von Thymian in der Luft, wirklich sehr entspannend!

An der Westküste Malta findet ihr diese Felsformationen

Pflanzen sind wahre Überlebenskünstler! Egal wie trocken die Umgebung auch sein mag, sie schaffen sich ihren Raum

Diese Gesteinsfarbe ist typisch für Malta. Das Foto habe ich auf einer Wanderung nahe der Dingli Cliffs aufgenommen.

Beeindruckt hat mich allerdings noch mehr die Kultur und die zahlreichen historischen Ortschaften. Der Einfluss der vielen unterschiedlichen Völker wie Araber, Römer und Briten, die sich die Insel im Laufe der Jahrhunderte immer wieder zu eigen gemacht haben, ist deutlich zu erkennen. Besonders sehenswert sind Mdina, eine mittelalterliche Stadt mitten auf der Insel mit einem herrlichen Blick in alle vier Himmelsrichtungen und vielen Cafés mit leckeren Kuchen, ihre Nachbarstadt Rabat mit frühchristlichen Katakomben, die tolle Hafenstadt Marsaxlokk mit den für Malta typisch bunten Booten und natürlich die einzigartige Hauptstadt Valletta, mit ihrer großen Wehranlange, tollen Gassen zum Shoppen und einer fast vollständig erhaltenen Altstadt mit den typischen Holzerkern. 2018 wird Valletta Europäische Kulturhauptstadt sein. Wenn das mal kein Anlass ist, um die Insel zu besuchen 😉 Außerdem erwarten dich noch viele neolithische Tempel wie das Hypogäum und Hagar Quim, Museen und und und…

Mdina ist eine mittelalterliche Festung. Die Wehranlage könnt ihr hier erkennen. Sie wurde zu einer Parklandschaft umgestaltet und ist unbedingt einen Besuch wert!

Sehr süß, aber auch sehr lecker sind die vielen Süßigkeiten der Stände am Eingang von Valletta.

Die kleine Hafenstadt Marsaxlokk im Süden der Insel zeigt die schönsten Boote Maltas.

Die schmalen Gassen von Rabat bieten ungeahnte kleine Oasen!

Wer mehr an schönen Naturplätzen interessiert ist, kommt auch nicht zu kurz. Mein absoluter Lieblingsplatz (neben Mdina) ist Golden Bay bei Ghaijn Tuffieha. Es ist meiner Meinung nach mit Abstand der schönste Strand und die tollste Bucht der Insel. Etwas rauher geht es an der Westküste der Insel zu, den Dingli Cliffs. Eine wirklich atemberaubende Landschaft und ein Blick auf die vielen Kilometer Steilküste! Wer gerne Baden möchte, dem kann ich die kleine Insel Comino empfehlen. Sie liegt zwischen Malta und Gozo und beherbergt die Blue Lagoon, die einfach zu schön ist, um wahr zu sein mit ihrem glaskaren, türkisscheinenden Wasser. Und wenn wir schon von Gozo sprechen, dann…ja…dann hätte ich euch jetzt gerne das Azure Window empfohlen. Aber seid nicht traurig, die Insel hat auch so noch einiges zu bieten wie die Stadt Victoria (Rabat) oder der Ort vom verschwundenen Felstor selbst (s. Titelfoto).

Das Beweisfoto: Azure Window, Gozo

Die Dingli Cliffs erstrecken sich über weite Teile der Westküste Maltas. Die Wanderwege führen meistens direkt an den Klippen entlang.

Ghajn Tuffieha hat die schönsten Strände und wie auf dem Foto zu erkennen die beindruckenste Bucht Maltas. Mein absoluter Lieblingsort! Egal wie lange man sich dort aufhält oder wie oft man die Golden Bay besucht, man entdeckt jedes Mal eine noch viel schönere Ecke.

Wenn ihr die Insel besuchen möchtet, kauft euch am besten ein Busticket für die Zeit eures Urlaubs. Mit dem Bus erreicht ihr alle Ziele problemlos und müsst euch nicht mit einem Mietwagen in den Stadtverkehr drängeln. Die Anreise erfolgt entweder mit dem Flugzeug von vielen deutschen Flughäfen oder mit der Fähre von Sizilien aus. Auch nach 5 Monaten habe ich nicht alles entdecken können. Daher denke ich, dass ihr ungefähr 7 Tage für euren Urlaub einplanen solltet, um nicht nur die schönsten Sehenswürdigkeiten abzuklappern, sondern auch Zeit habt, um die Insel zu genießen. Die Restaurants sind gut und relativ preiswert. Absolut empfehlenswert ist das maltesische Restaurant Gululu in der Spinola Bay bei St. Julians und die Cocktailbar im obersten Stock des Portomaso Towers ganz in der Nähe.

Falls ihr Fragen zu der Insel oder zum Studium habt, schreibt mich gerne an oder lasst einen Kommentar da. Ansonsten hoffe ich, dass ich eure Neugierde wecken konnte und ihr Malta als mögliches Urlaubsziel auf eure Liste setzt.

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